Hip Hop, Techno, Rap, Electro.

Der Mensch braucht Freiraum, kaum Kritik:
Mr. X & Mr. Y – New World Order
Erinnert ihr euch noch an „New World Order“, wie ihr in euren Wrestlingshirts und langen Unterhosen durch den Raum geturnt seid und wahlweise eure Geschwister oder euer größtes Kuscheltier in den Schwitzkasten genommen habt?
Hach, was war das schön.
Aus mir kaum bekannten Gründen sind in meinem Kopf sämtliche Erinnerungen an meine Kindheit mit zwei essentiell wichtigen Elementen der 90er verbunden.
Eurodance und Wrestling.
Obwohl der Hit „New World Order“ von Mr. X & Mr. Y, der wohl kaum etwas mit der damals bekannten Spaltgruppe der World Wrestling Federation zu tun hat, schon etwa 15 Jahre alt ist, erscheint er doch heute wieder etwas perlenhaft.
Die aktuelle Tendenz zur Verschmelzung von R’n’B und technoider Musik, siehe SBTRKT, Diplo, usw. ist in sofern sehr interessant, dass beide Musikrichtungen in ihrer individuellen Entstehungslinie Schnittpunkte miteinander aufweisen.
Hier kommt der Titel von Mr. X & Mr. Y ins Spiel. Hinter Mr. X & Mr. Y stehen nämlich die Produzenten und damaligen Aushängeschilder zweier Musikrichtungen, Techno- und Ravekopf Westfalia Bambaataa, abgekürzt Westbam, und der vermeintliche Rap-Erfinder und vielzitierte Afrika Bambaataa, der schon Anfang der Neunziger mit elektronischen Beats auf sich aufmerksam machte.
So sehr sich beide Künstler damals mit Sellout-Vorwürfen einiger Raver auseinandersetzen mussten, waren sie doch wegweisend, auch in ihrem Zusammenschluss zu X&Y.
Sie zeigten, dass Techno und Rap den gleichen Ursprung in der afroamerikanischen Musik haben und, so sehr sie sich bisweilen auch auseinander bewegen, sagen wir zum Beispiel bei Gangsterrap und Speedcore, werden sie doch immerwieder aufeinandertreffen und perfekt harmonieren können.
Das Schöne, beziehungsweise Kaum-Verwunderliche ist hierbei jedoch, dass diese Refusion sich anscheinend immer nur im Mainstream abspielt. So geschehen auch im aktuellen Hit von Usher „Climax“. Hier steht Produzent Diplo an den Reglern und der unsympathischste Waschbrettbäuchling der R’n’B-Szene hinter dem Mikrofon.
Ich höre jetzt schon die Stimmen der vermeintlichen Dubstep-Connaiseure, wie sie nasenrümpfend den Verfall der geliebten Spartenmusik bezeugen.
Liebe Mainstreamhasser, es ist garnicht so schlimm.
Wir können doch alle gemeinsam irgendwann wieder lange Unterhosen und das Shirt vom Undertaker anziehen und zu Mainstreammusik wrestlen. Wär das nicht was? Wrestling zu Usher, vielleicht so als Einmarschmusik. Und im Ring läuft dann „New World Order“ bis das Wolf Pack alle vermöbbt.
Das Video:
http://vimeo.com/38430250
Poah, diese Fresse!